Unsere Haushaltsrede

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Willems,
sehr geehrte Mitarbeitende der Verwaltung,
liebe Ratskolleginnen und -kollegen,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Im Namen der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen möchten wir uns zunächst bei unserem Kämmerer Gerd Dahlmanns bedanken. Für den Haushaltsentwurf 2026, über den wir heute sprechen, aber auch für die vielen Gespräche in den letzten Wochen: Sowohl zusammen mit Bürgermeister Willems bei den Haushaltsberatungen, aber auch oft genug ganz unkompliziert und auf Zuruf. Diese Offenheit und die Bereitschaft, komplexe Themen zu erklären, haben uns sehr geholfen. Vielen Dank dafür.

Wir schauen in Gangelt wieder auf einen ausgeglichenen Haushalt. Wenn man sich in der kommunalen Nachbarschaft umsieht, ist das nicht selbstverständlich. Und leider muss man wohl auch in unserem Fall sagen „ausgeglichen ja, aber auf Kosten der Ausgleichsrücklage.“ Genau dafür ist sie zwar da – wie der Name schon sagt – aber keine Rücklage hält ewig. Und ein Blick in die Zukunft zeigt, dass auch Gangelt diese Rücklage in absehbarer Zeit aufbrauchen wird.

Wäre das Defizit auf schlechtes Wirtschaften zurückzuführen, wäre es ja fast noch einfach: Besser wirtschaften! Aber schlechte Arbeit des Kämmerers oder der Verwaltung können wir hier nicht erkennen. Die Kreisumlage von insgesamt rund 173 Mio. Euro und die Jugendamtsumlage von rund 63 Mio. Euro wird natürlich auch durch die Gemeinde Gangelt mitgetragen, und schlägt mit fast 16 Mio. Euro zu Buche. 1,4 Mio. Euro mehr als im Vorjahr.

Trotz dieser Rahmenbedingungen gibt es klare positive Punkte. Dazu zählen die Investitionen, die bereits getätigt wurden, und die, die jetzt geplant sind: Zum Beispiel Photovoltaikanlagen für den Bürgertreff Langbroich, die Festhalle Hastenrath oder für das Freibad. Dass das gut angelegtes Geld ist, muss man hier zum Glück niemandem erklären. Insgesamt ist zu erkennen, dass der Fokus auf dem liegt, was wir haben. Die energetische Sanierung des Rathauses, der Dreifachturnhalle und der Grundschule in Birgden – es geht darum, unsere Infrastruktur zu erhalten. Sanieren vor Neubauen, Energie sparen statt Energie verschwenden. Das ist ein Ansatz, den wir ausdrücklich unterstützen.

Aber es gibt auch Themen, bei denen wir genauer hinschauen müssen. Der neu gestaltete Ortskern in Gangelt ist so ein Beispiel. Geschwindigkeitsüberschreitungen, Parkverstöße und Ausweichen auf den Bürgersteig sind die neue Regel. Spätestens nach dem ersten Unfall im Mai hätte klar sein müssen, dass hier sofortige Maßnahmen notwendig sind. Dazu kommt viel Fläche mit viel Stein – da stellt sich die Frage nach Hitzeschutz fast von selbst. Es wird sich zeigen, ob die geplante Begrünung hier Wirkung zeigt, oder ob sie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein sein wird.

Außerdem sollten wir ernster nehmen, was für den Alltag der Menschen heute und zukünftig entscheidend sein wird. Dazu gehört auch ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr. Die gerade auf Eis gelegte Schnellbuslinie 6 und die aktuelle Situation in der Wolfsgasse zeigen, wie stark wir in Fragen von Verkehr und Mobilität von übergeordneten Entscheidungsträgern abhängig sind. Umso wichtiger ist es, diese Abhängigkeiten zu erkennen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Schließlich bleibt die Frage nach der Einnahmenseite. Da steht das etwas diffuse Thema Rechenzentrum im Raum. Hier haben wir deutliche Bauchschmerzen. Noch mehr Flächenversiegelung, ein enormer Energie- und Wasserverbrauch – und am Ende bleiben 100 Arbeitsplätze und das Versprechen, 20 Prozent der dort eingesetzten elektrischen Energie als Fernwärme nutzen zu können. Wer eine Wärmepumpe besitzt, dürfte über alles unterhalb von 300 Prozent nur lächeln. Und mit Blick auf andere Rechenzentrumsprojekte weltweit sollten wir uns fragen, welchen Preis wir zu zahlen bereit sind.

Stattdessen sollten wir darüber reden, wie wir unsere Einnahmen nachhaltig stärken können. Welche Zukunftstechnologien können wir ansiedeln, die echte und langfristige Wertschöpfung statt kurzfristigem Hype versprechen? Die bevorstehenden Veränderungen in Industrie und Wirtschaft, die durch den Klimawandel und das Ziel der CO₂-Neutralität vorangetrieben werden, bieten auch für den ländlichen Raum Chancen.

Der hier vorliegende Haushalt zeigt aus unserer Sicht die richtigen Ansätze. Unsere Fraktion wird ihm zustimmen, und seine Umsetzung konstruktiv und aufmerksam begleiten.

Vielen Dank für die Ihre Aufmerksamkeit. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien schöne Feiertage und uns allen einen erfolgreichen Start ins neue Jahr.

Oliver Thissen
Fraktionsvorsitzender

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